Haibun

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HAIBUN

Ein Haibun ist eine Verbindung von Prosa und Lyrik. Es kann den Charakter eines (Reise-) Tagebuches haben, aber auch einem Essay oder einer Sammlung spontaner Skizzen und Gedanken ähneln. Es können Vorworte, Kritiken oder Briefe sein.

Ein Haibun kann ein oder mehrere Haiku (gelegentlich auch Tanka) enthalten (siehe Haiku, Tanka), oder nur aus Prosa bestehen. Vom Stil her ist diese Form eher lyrisch und betrachtend als erzählend, dabei konzentriert und wahrhaftig. Es wird Kürze und abgekürzte Syntax in der Prosa bevorzugt. Die Zeit, in der geschrieben wird, sollte die Gegenwart sein.

Prosa und Haiku ergänzen sich, das Haiku gibt also keine bloße Zusammenfassung des Textes, sondern vertieft das Erzählte/Betrachtete auf lyrische Weise. Das Haiku sollte auch ohne Prosa als ein eigenständiges Gedicht verstanden werden können. Ein Haibun ist in sich geschlossen, lässt aber am Ende etwas offen. Wie ein gutes Haiku hat es einen Nachhall.

Der Haibun lebt von klaren, einfachen Worten, Assoziationen, Bildern, Vergleichen und Anspielungen. Ebenso wichtig wie die atmosphärische Dichte und eine knappe Darstellung sind Rhythmus und Klang der Sprache.

Beispiel:

In allen Ländern dieser Erde gibt es Schmetterlinge, große und kleine, einfarbige oder bunte Schmetterlinge.

Wie entstehen die?
Nur durch Metamorphose
Ein Wunder der Welt

Aus kleinen Eiern schlüpfen kleine Räupchen, die behaart oder glatt sind, auch Borsten, treifen Punkte oder Dornen haben können. Alle Raupen entwickeln sehr rasch einen großen Appetit und fressen unentwegt Blätter, Blätter, Blätter. Um aber wachsen zu können, müssen sich die Raupen im Leben mehrfach ihre Außenhaut, die aus Chitin besteht, abstreifen. Sie häuten sich also.

Die Raupen fressen
Blätter und nochmals Blätter
und werden fetter

Hat die Raupe ihre maximale Größe dann einmal erreicht, erfolgt der komplizierteste Schritt, von einer kriechenden Raupe zu einem fliegenden Schmetterling, der sich von Blütennektar und Obst ernährt. Dazu braucht die Raupe einen ruhigen Platz. Sie häute sich ein letztes Mal, doch aus der letzten Hauthülle schlüpft nun nicht mehr die Raupe mit Beinen, sondern eine Puppe, die einen wesentlich stabileren Chitinpanzer besitzt.

Innerhalb dieser Puppe findet nun die Metamorphose – die vollständige Umwandlung zum Schmetterling – statt; je nach Art der Raupe/des Schmetterlings an Zweigen, Blättern, Ästen, Latten, Steinen oder in der Erde.

Ei, Raupe, Puppe,
jetzt erfolgt die Verwandlung
in aller Stille
und bald schlüpft ein Schmetterling
mit dem Ziel der Fortpflanzung.

© by Thomas Brod 2011

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