Sestine

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SESTINE

(von lat. sextus bzw. ital. sesto = sechster)

Allgemein Bezeichnung für eine sechszeilige Strophe, im Besonderen aber für eine romanische Gedichtform, die als eine der artifiziellsten überhaupt gilt. Im Italienischen ausgebildet von Dante und Petrarca, gelangt die Sestine in der Barockzeit auch nach Deutschland.

In der Grundform besteht die S. aus 6 Strophen zu je 6 Zeilen, an die sich ein Dreizeiler als Coda (oder "Geleit") anschließt. Dabei sind die einzelnen Strophen in sich ungereimt. (Reimstrophen finden sich allerdings als Variante seit dem 16. Jhdt. ebenfalls.)

Die Endwörter der Verse der 1. Strophe werden in den folgenden Strophen in veränderter Reihenfolge wiederholt, so dass alle Strophen untereinander durch identische Reime verbunden sind.

Die Art der Reimung kann nach zwei verschiedenen Schemata erfolgen, einem einfachen und einem komplizierteren.

Für beide gilt, dass das Endwort des letzten Verses einer Strophe zum Endwort des ersten Verses der folgenden Strophe wird. Bei der einfacheren Form ergibt sich dadurch eine Verschiebung der Reime ums eins:

1. Strophe: 1,2,3,4,5,6
2. Strophe: 6,1,2,3,4,5
3. Strophe: 5,6,1,2,3,4
4. Strophe: 4,5,6,1,2,3
5. Strophe: 3,4,5,6,1,2
6. Strophe: 2,3,4,5,6,1

und dreizeilige Coda (wird bei der schwierigeren Form erklärt)

Die zweite, schwierigere Form hat folgendes Schema:

1. Strophe: 1,2,3,4,5,6
2. Strophe: 6,1,5,2,4,3
3. Strophe: 3,6,4,1,2,5
4. Strophe: 5,3,2,6,1,4
5. Strophe: 4,5,1,3,6,2
6. Strophe: 2,4,6,5,3,1

In der dreizeiligen Coda (dem "Geleit") werden sämtliche 6 Reimwörter in der Reihenfolge der 1. Strophe noch einmal wiederholt, und zwar so, dass sich drei in der Mitte und drei am Ende der Verse befinden:

Coda, 1. Zeile: ... Reimwort 1 ... Reimwort 2
Coda, 2. Zeile: ... Reimwort 3 ... Reimwort 4
Coda, 3. Zeile: ... Reimwort 5 ... Reimwort 6

Als Versmaß wird der Endecasillabo (im Deutschen dessen Pendant, der fünfhebige Jambus) verwendet, im Barock bevorzugt der Alexandriner.

Beispiel: (diese Sestine hat nicht das Thema Schmetterlinge! Sie hat noch die Besonderheit, dass sie zusätzlich eine Akrostichon-Sestine ist)

LIEBE, DROGEN UND SEXTINE

W ozu nur braucht man wohl die Droge Liebe?
E rgreif die Lüsternheit und Obsession,
R ebell, du, und benutze deine Triebe,
D ass alle deine Sinne heftig rauschen.
I ch rate dir, Begierden mal zu tauschen,
E in guter Playboy macht das lange schon.

L ass mich genießen „sex and drugs“, obschon
I ch dich damit betrüge meine Liebe.
E s wird der Nebel meine Sicht vertauschen,
B edauer doch nicht meine Obsession,
E s werden bunte Bilder dich berauschen.
V erlieb dich einmal nur in meine Triebe.

E rfolg und Eitelkeit und wilde Triebe
R egieren viele Menschen lange schon.
P ikiert lässt du Moral und Takt verrauschen.
A ch, Leben, meinst du, geht auch ohne Liebe!
S tets brauchst du Drogen, eine Obsession,
S oll doch das Leben mit der Liebe tauschen.

T agtäglich will ER Liebe mit uns tauschen,
V ersteckt als kleines Rädchen im Getriebe,
E s ist der Geist mir eine Obsession,
R ät ER zu einer Droge immer schon,
P robier doch einfach nur mal von der Liebe,
A lleine das kann Leben stark berauschen.

S o lange viele Drogen dich berauschen
S ei wachsam stets beim Nehmen, Tauschen.
T rau gern der wahren Aphrodite Liebe.
A uch Schaffens-, Hunger-, Sex-, Erhaltungstriebe
U mgeben alle Menschen Jahre schon.
C harmeur zu sein ist meine Obsession.

H ab ich als Mensch nun eine Obsession,
D arf ich genießen, kosten, mich berauschen.
A m Ende zählt: Was macht die Droge schon?
S ie lässt mich schweben, Glücksmomente tauschen,
L eiht Flügel mir, belohnt die wilden Triebe.
E s braucht bei allen Dingen nur auch Liebe.

B edenke Liebe, meine Obsession,
E rlebe Leben, Triebe, Sinnes-Rauschen,
N ur Küsse tauschen Liebe immer schon.

© by Thomas Brod 2011 (nach dem schwierigeren Typ)

 

Das Akrostichon lautet: Wer die Liebe verpasst, verpasst auch das Leben!

 

 

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